Bauchspeicheldrüsenentzündung
Aus Krank-Gesund.de
Die Bauchspeicheldrüsenentzündung wird medizinisch als Pankreatitis bezeichnet. Sie ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann und daher ernst genommen werden muss.
Welche Ursachen häufig vorkommen
Alkohol und Gallensteine sind bei weitem die häufigsten Ursachen der Bauchspeicheldrüsenentzündung. Während Gallensteine, zu denen auch Mikrokristalle gehören, akute und stark schmerzhafte Entzündungen hervorrufen, die in der Regel keine chronischen Verläufe nach sich ziehen, führt Alkoholkonsum bei empfänglichen Menschen zu eher langwierigen, chronischen Verläufen, in denen jedoch immer wieder akute Schübe auftreten können.
Seltenere Ursachen sind hormonelle oder medikamentöse Einwirkungen, die sorgsam in der Anamnese erfragt werden müssen. Auch können Infektionserreger zu einer Entzündung führen; gefürchtet ist beispielsweise Mumps, der beim Erwachsenen (seltener beim Kind) zu einer schweren Pankreatitis führen kann, die aber – ist das akute Stadium überwunden – nicht chronisch wird. Auch gibt es bei wenigen Menschen eine genetische Bereitschaft zu einer Entzündung, bei der ein unbedeutender Anlass, der meist gar nicht erkannt wird, zu einer ausgeprägten Entzündung führt.
Wie man die Erkrankung erkennt
Folgende Konstellation lässt auf eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung schließen:
- Alkohol im Übermaß oder bekannte Gallensteine oder Beginn mit einer "Gallenkolik" im rechten Oberbauch oder vorbekannte chronische Pankreatitis plus
- rasch zunehmende Oberbauchschmerzen in der Mitte und ggf. auch links
- Übelkeit und Brechreiz
- Kreislaufprobleme (bei starker Ausprägung der Entzündung)
Folgende Konstellation lässt auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung schließen:
- vorbekannte Bauchspeicheldrüsenentzündung plus
- immer wieder auftretende Oberbauchschmerzen (Pankreatitis-Schübe), meist nach Mahlzeiten, (oft werden Wärmflaschen zur Linderung verwendet)
- häufige Übelkeit
- gelegentlich breiige und fettige Stühle (bei ausgeprägter Funktionsbeeinträchtigung der Bauchspeicheldrüse)
![]() | ![]() |
Welche Laborwerte für eine Pankreatitis sprechen
Bei entsprechendem Verdacht werden die Lipase und (früher häufiger) auch die Amylase im Blut bestimmt. Die Lipase ist spezifischer als die Amylase und reicht meist diagnostisch aus. Bei einer über 3fachen Erhöhung des Lipasewerts ist eine Pankreatitis recht sicher; darunter ist die nicht ausgeschlossen. Die Höhe der Bauchspeicheldrüsenenzyme korreliert nicht immer mit dem Schweregrad.
Welche Untersuchungen noch sinnvoll sind
Da die Bauchspeicheldrüsenenzyme Lipase und Amylase nicht immer mit dem Schweregrad und dem Stadium der Pankreatitis korrelieren, müssen bildgebende Verfahren zuhilfe gezogen werden. Die Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs ergibt bei der Pankreatitis häufig vermehrte Gasbildung im Querdarm, was die Einsicht in die Pankreasloge verhindert. Ansonsten wäre dies die beste Methode. Ist eine Einsicht nicht möglich, muss zumindest in größeren Abständen eine Computertomographie erwogen werden. Bei einer akuten Pankreatitis wird sie routinemäßig für den 3. Tag der Erkrankung empfohlen, wenn sich die Richtung der Krankheitentwicklung häufig entscheidet.
Welche Komplikationen auftreten können
Die Pankreatitis ist deshalb so ernst zu nehmen, weil sie im akuten Stadium zu einer Selbstzerstörung durch Verdauung des eigenen Gewebes führen kann. Die Entzündungsreaktion geht mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Verschwellung und unter Umständen mit „Nekrosen“, d. h. Gewebsuntergängen und der Bildung von Abraumregionen einher. In solch einer Krankheitsphase ist mit einer Blutvergiftung (Sepsis) und Multiorganversagen zu rechnen. Solche Patienten gehören in ein Krankenhaus, wo eine entsprechende Überwachung und Vorbeugung (u. U. auf einer Intensivstation) stattfinden kann.
Funktionsverlust des Organs
Im chronischen Stadium kann es zu einer allmählichen Abnahme der Funktion des Organs kommen. Dazu gehört einerseits eine nachlassende Bildung von Verdauungsenzymen und andererseits von Insulin und Glukagon, zwei Hormonen des Zuckerstoffwechsels. Es können in fortgeschrittenem Stadium also eine schwer behandelbare Verdauungsstörung mit Fettstühlen und Durchfällen und eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) folgen.
Chronische Schmerzen
Häufig leiden Patienten mit chronischer Pankreatitis unter zum Teil sehr ausgeprägten Schmerzen im Mittel-Oberbauch, die unabhängig sind von Verdauungsbeschwerden. Sie suchen sich oft mit Wärmflaschen zu helfen, was manchmal zu einer bräunlichen Hautmarmorierug führt, die für den Arzt ein wichtiges Zeichen darstellt, das die angegebenen Schmerzhaftigkeit nachvollziehbar und glaubhaft macht. Solche Patienten bedürfen Schmerzmittel und werden manchmal abhängig von ihnen. In diesen Fällen findet man meist schon Verkalkungen des Organs als Zeichen der Chronizität.
Bauchspeicheldrüsenkrebs
Eine wichtige Folge der chronischen Pankreatitis ist die Entwicklung von Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Daher sind Patienten mit einer chronischen Pankreatitis in bestimmten Abständen, die der Haus- oder Facharzt festlegt (etwa halbjährlich), mit Laborwerten, Sonographie und ggf. auch mit weiterführenden Untersuchungen zu kontrollieren.
Was man selbst zur Vorbeugung beitragen kann
Da Alkohol und Nikotin zu den Risikofaktoren für einen chronischen Verlauf und die Bildung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zählen, sollten sie unbedingt vermieden werden und zwar so konsequent wie nur möglich. Zu fette und voluminöse Mahlzeiten können akute Schübe auslösen und sind zu vermeiden. Kleine verteilte Mahlzeiten sind am bekömmlichsten. Da eine Verdauungsstörung bei nachlassender Bildung von Verdauungsenzymen zu Bauchbeschwerden und damit zu einer Angst vor dem Essen führt, sollten genügend Verdauungsenzyme (als Medikament) zugeführt werden. Auch kann es zu einem Mangel an fettlöslichen Vitaminen und Spurenelementen kommen, der vermieden werden muss.
Was der Arzt bei der chronischen Pankreatitis tun kann
Der Arzt wird drei wichtige Dinge tun: 1. vor Alkohol und Nikotin sowie vor zu opulenten Mahlzeiten warnen, 2. in regelmäßigen Abständen Laborwerte und die Sonographie des Organs kontrollieren, um Komplikationen (so auch Krebs der Bauchspeicheldrüse) rechtzeitig zu entdecken, 3. medikamentös dort zu helfen, wo die Symptome es erfordern, wie beispielsweise bei der Schmerzbekämpfung und der Substitution von Verdauungsenzymen. Wichtig ist es, dass der Patient den zwischenzeitlichen Verlauf und seine Beschwerden gut schildern kann, so dass es ratsam ist, sich etwas auf den Arztbesuch vorzubereiten.
![]() | ![]() |
Wie Sie sich auf den Arztbesuch vorbereiten können
Am besten ist es, wenn Sie strukturiert vorgehen: Sie sollten zu folgenden Punkten etwas sagen können:
- Haben Sie Beschwerden? Wenn ja welche? Sind sie abhängig von den Mahlzeiten? Treten sie in gewissem Abstand auf? Sofort? Etwa nach 15 oder 20 Minuten oder später?
- Wie ist Ihre Gewichtsentwicklung? Z. B. „gleich geblieben bei …kg“ oder „5 kg abgenommen in den letzten 4 Monaten“
- Wie ist Ihr Appetit? Z. B. gut, mäßig, schlecht. Haben Sie Abneigungen? Z. B. Aversion gegen alles oder gegen Fettes etc. Was vertragen sie nicht?
- Wie ernähren Sie sich? Z. B. genügend Obst und Gemüse? Eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Geflügelfleisch, Fisch, Quark?
- Wie ist der Stuhlgang? Z. B. normal, zu häufig, zu fettig, zu breiig, übelriechend etc.
- Welche Medikamente nehmen Sie und wie haben sie geholfen?
- Rauchen Sie (noch)? Trinken Sie (noch) Alkohol? Jeweils wie viel, regelmäßig?
- Brauchen Sie gelegentlich Heizkissen oder Schmerzmittel? Wie oft?


