Hämoglobin
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Hämoglobin ist der Farbstoff der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Es bindet und transportiert Sauerstoff im Körper. Seine Bildung ist von Eisen abhängig. Eisenmangel führt daher zu einem Mangel an Hämoglobin und damit zu einer Blutarmut (Anämie).
Biochemisch besteht das normale Hämoglobin A (Hb A) aus zwei Kettenpaaren von Polypeptiden (2 alpha- und 2 beta-Ketten) mit je einer Eisen-haltigen Gruppe, die Sauerstoff binden kann. In der fetalen Entwicklungsphase dominiert eine andere Hb-Form, das fetale Hämoglobin (Hb F), das nach der Geburt bald verschwindet und vom Hb A abgelöst wird.
Referenzbereich
Die Normgrenzen für Hämoglobinwerte ändern sich mit dem Alter.
Hämoglobin in g/dl:
Kinder / Jugendliche
5 -10 Jahre 11,1 - 14,3; 10 - 12 Jahre 11,9 - 14,7; 12 - 15 Jahre 11,8 - 15; um 15 Jahre 12,8 - 16,8.
Erwachsene
Frauen: 12,3 - 15,3; Männer: 14,0 - 17,5.
Verschiedene Labore geben gering unterschiedliche Normgrenzen an: bitte beachten!
Erhöhter Wert
Erhöhte Hb-Werte finden sich
- bei einer Bluteindickung, wie sie z.B. bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme oder vermehrtem Flüssigkeitsverlust über Nieren, Darm oder Wundflächen der Haut eintreten kann, und
- bei vermehrter Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark (Polyglobulie und Polyzythämie). Chronisch Lungenkranke haben reaktiv erhöhte Hb-Werte. Raucher können eine leichte Hb-Erhöhung aufweisen.
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Erniedigter Wert
Erniedrigte Hb-Werte finden sich bei den verschiedenen Formen der Blutarmut (Anämie).
Zur Differenzierung der verschiedenen Anämie-Formen werden die Retikulozytenzahlen und zusätzliche Erythrozytenparameter zu Hilfe gezogen, insbesondere die Größe der roten Blutkörperchen (MCV) und ihr Hämoglobingehalt (MCH). Meistens liegt bei erniedrigten Hämoglobinwerten eine Eisenmangelanämie mit zu kleinen und zu schwach gefärbten Erythrozyten (mikrozytäre hypochrome Anämie) vor. Deren Ursache ist in der Regel in einem erhöhten Blutverlust und / oder einer verminderten Eisenaufnahme zu suchen.
Bessonderheiten
Bei der speziellen Diagnostik hämolytischer Erkrankungen wird Hämoglobin nicht im Vollblut bestimmt sondern im Plasma. Das nicht in Erythrozyten gebundene „freie Hämoglobin“ ist ein Maß für Blutzersetzung (Hämolyse), wie sie bei Autoimmunkrankheiten, Fehltransfusionen, einer Blutvergiftung (Sepsis) oder mechanischen Herzklappen auftreten kann.
Es gibt eine Reihe genetisch veränderter Hämoglobine mit Krankheitswert (Hämoglobinopathien), so beispielsweise das Hb S (Sichelzellhämoglobin), das bei der Sichelzellanämie der Afrikaner gefunden wird, oder anomale Hb-Formen bei den Thalassämien. Wenn der Verdacht auf eine solche Erkrankung besteht, die meist mit einem beschleunigten Zerfall roter Blutkörperchen (Hämolyse) einhergehen, so werden weitere Untersuchungen zur Klärung erforderlich (z. B. Hb-Elektrophorese, genetische Untersuchungen).
Hämoglobin wird beim Abbau von Erythrozyten frei und abgebaut. Ein Abbauprodukt ist Bilirubin, welches von der Leber in die Galle ausgeschieden wird. Bei beschleunigtem Abbau roter Blutkörperchen (Hämolyse) steigt die im Blut nachweisbare Bilirubinkonzentration. Sie steigt ebenfalls bei einer Störung der Ausscheidung mit der Galle, also bei einer schhweren Leberfunktionsstörung oder einer Störung des Galleabflusses (Cholestase).


