Gallensteine

Aus Krank-Gesund.de

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Was Gallensteine sind

Gallensteine sind steinharte Gebilde, die sich meistens in der Gallenblase, seltener in den Gallenwegen befinden. Sie bilden sich durch Auskristallisation aus an Cholesterin oder Bilirubin übersättigter Galle. Eine weitere Form besteht aus einem lockeren Gemisch verschiedenster Bestandteile, die im Gallengang unter Beteiligung von Bakterien entsteht.

Welche Formen von Gallensteinen es gibt

Entsprechend ihrer Entstehung gibt es verschiedene Formen von Gallensteinen:

  • Cholesterinsteine
  • Schwarze Steine
  • Braune Steine (meist weiche Schlammsteine)

Cholesterinsteine

Sie bilden sich in der Regel in der Gallenblase. Sie sind im Röntgenbild (auch im Computertomogramm) nur dann sichtbar, wenn sie verkalkt sind, was nicht immer der Fall ist. Im Ultraschallbild sind sie dagegen praktisch immer gut erkennbar.

Ein erhöhtes Risiko, Cholesterinsteine zu bilden, haben Menschen mit folgenden Kriterien:

  • weiblich,
  • übergewichtig,
  • Phase der Gewichtsreduktion,
  • in der Blutsverwandschaft Gallensteine,
  • zunehmendes Alter.

Die Gallensteinbildung beginnt mit Mikrokristallen. Bereits sie können zu erheblichen Komplikationen wie Koliken und Bauchspeicheldrüsenentzündungen führen.

Schwarze Steine

Sie entstehen aus Bilirubin, das in die Galle gelangt. Da Bilirubin ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ist, sollte bei Nachweis von schwarzen Gallensteinen nach einer Erkrankung gesucht werden, die mit Zerfall der roten Blutkörperchen einhergeht (Hämolyse).

Braune Steine

Sie entstehen in der Regel im Gallenausführgang durch Mitwirkung von Bakterien. Eine häufige Voraussetzung ist eine Undichtigkeit an der Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm. Eine solche Undichtigkeit kann durch eine Steindurchtritt oder auch nach eine endoskopischen Schlitzung (Papillotomie) im Rahmen eine Steinentfernung zustande kommen.

Welche Komplikationen zu befürchten sind

Gallensteine können Komplikationen verursachen. Dazu gehören:

  • Kolik: heftigste, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, Ausstrahlung oft in den Rücken, in die rechte Schulter
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis): direkt im Anschluss an eine Kolik können sich Schmerzen im mittleren und evtl. auch linken Oberbauch ausbilden, die dann länger anhalten, oft verbunden sind mit Übelkeit und Brechreiz. Im Ultraschallbild und Computertomogramm sieht man eine entzündliche Auflockerung des Organs; unter den Laborwerten dominieren Lipase und Amylase.
  • Entzündung der Gallenwege: ebenfalls im Anschluss an eine Kolik können sich langanhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch entwickeln. Unter den Laborwerten steigen insbesondere die Cholestaseenzyme (alkalische Phosphatase und Gamma-GT) an.
  • Steinperforation durch die Gallenblase oder den Gallengang
  • Entwicklung von Gallenblasenkrebs: das Risiko ist gegenüber der Normalbevölkerung erhöht, wenn die Steine besonders groß sind, oder wenn besonders viele vorhanden sind.

Wie sich Gallensteine bemerkbar machen

Die Gallensteinträger können jahrelang beschwerdefrei bleiben. Beschwerden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Gallensteine zurückgeführt werden können, sind die Kolik im rechten Oberbauch, vor allem, wenn sie mit Ausstrahlung in die Schulter verbunden ist. Wiederkehrende Oberbauchschmerzen unter dem rechten Rippenbogen verbunden mit Übelkeit und Brechreiz und abhängig von der Nahrungsaufnahme sind statistisch auch mit Gallensteinen korreliert.

Wie Gallensteine behandelt werden

  • Da das Risiko, innerhalb der nächsten 20 Jahre eine Komplikation zu erleiden, bei etwa 20% liegt, kann besonders bei noch jüngeren Patienten und solchen, die besonders große und mehrere Steine tragen, eine Gallenblasenentfernung als Wahleingriff diskutiert werden. Sie wäre auch eine gewisse Krebsvorbeugung. Aber die Entscheidung muss individuell getroffen werden.
  • Bei Komplikationen, wie einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis), einer Gallenwegsentzündung oder einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist eine Gallenblasenoperation zu empfehlen.
  • Wenn eine Operation nicht möglich oder zu risikoreich ist oder nicht gewünscht wird, kann eine Komplikationsvorbeugung durch die Gallensäure Ursodesoxycholsäure (kurz Urso) erfolgen. Das Risiko für Komplikationen sinkt; es können sich kleine Kristalle und Steine sogar auflösen. Wird das Medikament aber abgesetzt, steigt das Gallensteinrisiko jedoch wieder. Dies gilt für Cholesterinsteine. Urso ist bei schwarzen oder braunen Steinen wirkungslos.
  • Steine im Gallengang sollten endoskopisch entfernt werden. Wenn die Gallenblase entfernt werden soll, sollte zuvor geklärt sein, ob der Gallengang frei ist. Sollte er Gallensteine enthalten, werden sie in der Regel vor der Operation durch Endoskopie (ERC mit Papillotomie und Steinextraktion) entfernt.

Was man selbst zur Vorbeugung beitragen kann

  • Wenn man stark übergewichtig ist, sollte natürlich das Gewicht reduziert werden. Da aber gerade in der Phase des Abnehmens das Risiko der Bildung von Gallensteinen steigt, sollte sie mit Urso abgedeckt werden (dazu sollten Sie Ihren Arzt fragen).
  • Man sollte dafür sorgen, dass der Cholesterinspiegel im Blut im Normbereich liegt: auf jeden Fall gesunde Kost (fettarm) und viel Bewegung.
  • Neuere Erkenntnisse besagen, dass ungesättigte Fettsäuren (z. B. in Fischöl) und Nüsse das Gallensteinrisiko senken.

Was der Arzt bei Gallenkoliken tun kann

Wenn eine Kolik vorliegt, werden Sie wegen der Heftigkeit der Schmerzen sicher gleich einen Arzt holen. Er hat krampflösende Mittel (Spasmolytika) zur Hand (oft wird Buscopan injiziert). Auch kann er starke Schmerzmittel (Analgetika) einsetzen (ein häufig verwendetes Medikament ist Dolantin). Dann wird er empfehlen gleich eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen (ambulant oder in deine Klinik). Er wird Sie auffordern, ihm sofort zu berichten, wenn nach Beendigung der Kolik weitere Schmerzen auftreten, ihn sofort zu benachrichtigen; es könnte sich eine Gallenwegs- oder Bauchspeicheldrüsenentzündung entwickelt haben. Wenn sich ein Gallenstein durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder ein anderes bildgebendes Verfahren (z. B. MRCP) nachweisen lässt, wird er eine Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie) dringend empfehlen. Findet sich ein Stein in den Gallenwegen, wird er zunächst seine endoskopische Bereinigung in die Wege leiten (Einweisung in eine entsprechend ausgerüstete Klinik); und in einem zweiten Schritt kommt die Gallenblasenoperation.

Weiteres zum Thema

Fachinfos

© 2009-2014 MedicoConsult GmbH, alle Rechte vorbehalten. Wir stehen für Qualität!
Die unter www.krank-gesund.de angebotenen Dienste und Inhalte sind dienen ausschliesslich der Informationsbeschaffung und können in keinem Fall den Arztbesuch ersetzen. Alle Inhalte dürfen ohne ausdrückliche Zustimmung der Autoren nicht kommerziell verwendet werden, auch nicht auszugsweise. Impressum
Persönliche Werkzeuge