Colitis ulcerosa
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Die Colitis ulcerosa gehört mit dem Morbus Crohn zusammen zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Verdauungstrakt und führt dort zu Entzündungen.
[bearbeiten] Ursachen und Verläufe
Ursachen sind nicht bekannt, offenbar gibt es komplexe genetische Vorbedingungen. Krankheitsschübe werden durch verschiedene Bedingungen auslöst; dazu gehören Infekte, besonders Darminfekte oder auch psychische Belastungen. Vielfach lassen sich Auslöser jedoch nicht identifizieren. Entzündungsschübe machen sich durch Erhöhung der Stuhlfrequenz und Abnahme der Stuhlkonsistenz bemerkbar und werden durch zusätzlichen Blutabgang mit dem Stuhl sehr wahrscheinlich. Ein diskretes Zeichen ist Schleimabgang bei noch normalem Stuhl. Schwierig kann die Einschätzung durchfälliger Stühle ohne Blutabgang sein, wenn gleichzeitig ein Reizdarm vorliegt, der ebenfalls zu solchen Symptomen führen kann. Dann muss unter Umständen eine Darmspiegelung für diagnostische Klarheit sorgen. Bei leichten Verläufen können Schübe unter angemessener Behandlung rasch ausheilen, bei mittelschweren bedarf es unter Umständen Geduld über Wochen bis wenige Monate, bei schweren kommt es durch die üblich Behandlung mit 5-ASA und Kortison-Präparaten nicht zu einer befriedigenden Symptomverbesserung.
Schwere Schübe können unter Umständen sehr rasch zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild werden, wenn sich nämlich eine Dickdarmlähmung mit Ausbildung eines „toxischen Megakolons“ entwickelt. Einer solchen Entwicklung muss durch rechtzeitigen Arztkontakt so weit wie möglich vorgebeugt werden. Schwere Schübe gehören daher in klinische Behandlung.
Lange Verläufe (über 10-15 Jahre) steigern das Risiko der Entwicklung von Darmkrebs (Kolonkarzinom), so dass in bestimmten Abständen eine Vorsorge-Koloskopie anzuraten ist.
[bearbeiten] Nebenwirkungen von Medikamenten
Manche Patienten leiden unter den Nebenwirkungen der Medikamente, besonders der Kortison-Präparate sehr stark, so dass die Krankheitsverläufe durch sie besonders geprägt sind. Jungen Menschen beispielsweise möchten nicht mit einem Cushing-Gesicht herumlaufen! Sie bedürfen einer engen und fachkundigen ärztlichen Begleitung und einer guten Aufklärung.
[bearbeiten] Appell an die Colitis-ulcerosa-Patienten
Lassen Sie sich durch Horrorbeschreibungen anderer Betroffener nicht beeinflussen: welcher Verlauf, ob milde oder schwer, bei Ihnen vorliegt, sagt Ihnen der Arzt, und Sie können das selbst am Therapieerfolg ablesen. Wenn Sie einen guten Arzt haben, der Sie fachkundig und mit viel eigener Erfahrung betreut, dann bleiben Sie bei Ihm und belasten Sie nicht das Vertrauensverhältnis durch viele anderweitige Arztkonsultationen hinter seinem Rücken! Er wird sich für Sie nicht mehr verantwortlich fühlen und die Behandlung abgeben wollen. „Doctor-Hopping“ ist für eine solche Erkrankung oft der erste Schritt zur dauerhaften Verschlechterung.
[bearbeiten] Appell an die Gastroenterologen
Ein großes Problem ist es allerdings, einen erfahrenen Gastroenterologen zu finden, der sich nicht auf die Darmspiegelung beschränkt und die weitere Betreuung dem Hausarzt überlässt. Daher gleich auch ein Appell an die Gastroenterologen, ihre Betreuungsverantwortung gewissenhaft wahrzunehmen! Und Betreuung heißt nicht immer Spiegeln! Es heißt, Patienten einbestellen, den Therapieerfolg durch Befragung der Symptomatik abzuschätzen und die Darmwanddicke durch Ultraschall zu kontrollieren. Alleine dadurch lassen sich der Verlauf gut beurteilen und die Behandlung über lange Phasen steuern!
[bearbeiten] Komplikationen und Folgen
Die Komplikationen sind oben zum Teil schon angesprochen (siehe unter Ursachen und Verläufe). Bei schweren Schüben kann es zu einer Darmlähmung (toxisches Megakolon) und einer Sepsis kommen. Bei langen Verläufen müssen Vorsorgeuntersuchungen bezüglich eines Darmkrebses erfolgen.
[bearbeiten] Krankheitszeichen außenhalb des Darms
Bei der Colitis ulcerosa gibt es eine Reihe sogenannter „extraintestinaler Manifestationen“, d. h. Krankheitszeichen an anderen Organen, wie Gelenk- und Kreuzbeschwerden (Arthritis, Sacroileitis), Hauterscheinungen wie Rötungen an den Unterschenkeln (Erythema nodosum) oder eitrige Pusteln (Pyoderma gangraenosum), Augensymptome (Uveitis) oder eine Erkrankung der Gallenwege (Primär sklerosierende Cholangitis, PSC). Den behandelnden Arzt wird dies alles interessieren; berichten Sie ihm also nicht nur über den Darm!
[bearbeiten] Was man selbst zur Behandlung beitragen kann
Hier heißt es vor allem: „wehret den Anfängen“, denn im Beginnstadium lässt sich ein Schub immer besser behandeln, als wenn er sich schon fortentwickelt hat! Erfahrene Ärzte geben ihren Patienten daher nach einer Anlernphase etwas Selbstbehandlungs-Spielraum. Beispielsweise kann man manchen Patienten erlauben, selbst die Kortison-Dosis bis zu einer verabredeten Grenze für eine gewisse Zeit hoch zusetzen oder sich Klysmen mit 5-ASA oder Kortikoiden zu verabreichen. Dies gibt für gewisse Situationen Sicherheit, beispielsweise auf Reisen. Ansonsten sollten Sie nicht zögern, sich auch außerhalb der Routine-Vorstellungen bei Ihrem Arzt zu melden, wenn eine Stuhlgangsverschlechterung eintritt und nicht spätestens nach 3 Tagen verschwunden ist.
[bearbeiten] Ernährung
Eine allgemein gültige diätetische Behandlung oder Vorbeugung gibt es nicht; erlaubt ist, was bekommt. Probiotika (z. B. Joghurt mit Bifidus-Bakterien) können möglicherweise prophylaktisch und therapeutisch sinnvoll sein. Vom Coli-Bakterien-Stamm Nissle, den es als Medikament gibt (Mutaflor), weiß man inzwischen, dass er bei der Behandlung der Colitis ulcerosa ähnlich wirksam ist wie 5-ASA. Da manche Krankenkassen diese Behandlung nicht zahlen, wäre sie, wenn der Arzt eine Indikation dafür sieht, selbst zu übernehmen.
[bearbeiten] Was der Arzt bei der Colitis ulcerosa tun kann
Der Hausarzt wird im Laufe der Erkrankung selbst Erfahrung mit Ihrer Reaktionsweise auf mögliche Auslöser von Schüben und auf Medikamente machen und in gewissem Sinne helfen können. Ansonsten wird der Gastroenterologe die Zügel in die Hand nehmen müssen. Die Diagnostik betrifft die Anamnese, Laborwerte (u. a. Entzündungsparameter, Leberwerte), die Darmsonographie und ggf. die Endoskopie. Manchmal ist es wichtig, eine Stuhlprobe auf pathogene Keime untersuchen zu lassen. Bei ausgeprägteren Schüben hat er zu entscheiden, ob besser eine stationäre Behandlung erfolgen sollte. Bei ambulant führbaren Verläufen wird Ihr Arzt Sie in bestimmten Abständen sehen wollen, um über die Fortführung der Behandlung zu entscheiden. Denn jede Therapie muss je nach Erfolg variiert werden.
[bearbeiten] Wie Sie sich auf den Arztbesuch vorbereiten können
Am besten ist es, wenn Sie strukturiert vorgehen: Sie sollten zu folgenden Punkten etwas sagen können:
- Wie häufig ist der Stuhlgang? 1-3 mal pro Tag, 4-7 mal pro Tag, 8 mal oder mehr pro Tag, mehrere Male kurz hintereinander, dann längere Pause, verteilt über den Tag
- Wie ist der Stuhl? Z. B. normal, zu breiig, wässrig, übelriechend etc. Blut beim Stuhl? Nein, am Toilettenpapier, tropft nach, auf dem Stuhl aufgelagert, mit dem Stuhl vermischt, Blutstuhl (viel, wenig), helles Blut, dunkles Blut, richtig schwarzer Stuhl
- Welche Medikamente nehmen Sie und wie haben sie geholfen? 5-Aminosalizylsäure-Präparat (5-ASA), Kortison-Präparat (z. B. Prednisolon), Azathioprin, andere. Welche Dosis? Wann welche Dosisänderung?
- Haben Sie Bauchschmerzen? Wenn ja, wo und wann? Abhängig von den Mahlzeiten oder vom Stuhlgang? Blähungen?
- Wie ist Ihre Gewichtsentwicklung? Z. B. „gleich geblieben bei …kg“ oder „x kg abgenommen in den letzten y Monaten“
- Wie ist Ihr Appetit? Z. B. gut, mäßig, schlecht. Haben Sie Abneigungen? Z. B. Aversion gegen alles oder gegen Fettes etc. Was vertragen sie nicht?
- Haben Sie Gelenkbeschwerden? Wenn ja, wo, seit wann?
- Trinken Sie genügend Milch? Wenn nein, muss für eine andere Kalziumquelle gesorgt werden, besonders bei einer Kortikoid-Behandlung ist eine Osteoporose-Vorbeugung anzuraten.
Bei Erstkontakt mit einem Arzt: Information über Dauer der Erkrankung, bisherige Therapie, bisherige Komplikationen











