Aus Krank-Gesund.de
Wenn eine Durchfallkrankheit (Diarrhö) schon etwas länger anhält, wird Ihr Arzt sich Gedanken über entsprechende Ursachen machen. Es ist gut, wenn Sie sich über Folgendes schon Gedanken gemacht haben, worüber Sie ihm dann ohne lange nachzudenken und dann doch die Hälfte zu vergessen, berichten können (machen Sie sich bitte Notizen):
Mögliche Ursachen
Antibiotika
Eine kurz zuvor durchgeführte antibiotische Behandlung, die zur Ansiedlung von resistenten Krankheitserregern im Dickdarm geführt haben (siehe unter pseudomembranöse Kolitis und Antibiotika-assoziierte Kolitis)
Neue Medikamente
Manche Pharmaka können Durchfälle verursachen, ohne dass man das bei einzelnen Menschen unbedingt vorhersagen kann. Ob ein neues Medikament bei Ihnen in Frage kommt, werden Sie unter Umständen dem Beipackzettel entnehmen können.
Nehmen Sie etwa Abführmittel? Man soll es nicht glauben, aber man hört nicht zu selten, dass Abführmittel genommen werden, obwohl Durchfälle vorliegen. Sagen Sie es offen; sie ernten vielleicht ein Lachen, aber das kann die Situation entspannen.
Nahrungsmittelunverträglichkeit
Es muss nicht gleich eine echte Allergie vorliegen, die wird Ihr Arzt vielleicht noch herausfinden, es kann auch eine Pseudoallergie bestehen, bei der im Körper eine erhöhte Darmbewegung ausgelöst wird (Histamin)
Immunschwäche
Sie kann man bei Menschen mit einer Krebserkrankung oder einer Leukämie annehmen, die eventuell sogar unter einer Chemotherapie stehen, oder bei solchen, die an der Immunschwächekrankheit AIDS leiden, oder bei Menschen, bei denen das Immunsystems medikamentös unterdrückt wird (z. B. bei einer Autoimmunkrankheit),
Vorerkrankungen
MERKE
Berichten Sie bei länger bestehenden Durchfällen über zuvor eingenommene Antibiotika, über Vorerkrankungen im Bauchraum, über bekannte Darmerkrankungen, Darmoperationen und Bestrahlungen im Bauchbereich und über eine eventuelle Immunschwäche.
Was Sie Ihrem Arzt berichten sollten
Berichten Sie über den Stuhl: seine Beschaffenheit (wässrig, schleimig, breiig, bleistiftdünn), seinen Geruch und ob er bei Nahrungskarenz sistiert. Sagen Sie ob der Stuhlgang mit Darmkrämpfen verbunden ist und ob eine Begleitsymptomatik vorliegt wie Gelenkbeschwerden oder anfallsartige Gesichtsröte. Seien Sie auch so offen, und berichten Sie auch über Abführmittel.
Frühere Erkrankungen, die mit Durchfällen in Zusammenhang stehen können. Bei ihnen wird der Arzt interessieren,
- ob früher bereits eine chronisch entzündliche Darmkrankheit, eine Colitis ulcerosa oder ein Morbus Crohn, diagnostiziert wurde,
- ob früher eine Episode ungeklärter Durchfälle erinnerlich ist (die sich später als Colitis ulcerosa entpuppen könnte, wie Ihr Arzt dann sicher vermuten wird. Er wird es in dieser Phase noch nicht beweisen können, aber im Kopf behalten für den Fall, dass je noch einmal so etwas aufträte.)
- ob die Bauchspeicheldrüse früher schon einmal entzündet gewesen war: es könnte sich schleichend eine chronische Pankreatitis entwickelt haben, ohne dass Sie es so richtig mitbekommen haben,
- ob schon eine Sprue oder eine andere Dünndarmkrankheit (z. B. ein Morbus Whipple) diagnostiziert wurde,
- ob eine chronische Leberkrankheit vorliegt, die beispielsweise durch Gallemangel zu einer Verdauungsstörung führen kann,
- ob eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) bekannt oder schon nachgewiesen ist,
- ob schon häufig Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre aufgetreten sind, die ihn möglicherweise im Zusammenhang mit Durchfällen an eine chronische starke Übersäuerung (Gastrinom, Zollinger-Ellison-Syndrom) denken lassen.
Voroperationen im Bauchraum
Beispielsweise können folgende Bedingungen zu Durchfällen führen:
- eine Operation an der Bauchspeicheldrüse, besonders wenn Sie diätetisch nicht aufgepasst und die nun verminderte Kapazität des Organs für Verdauungsaufgaben durch zu große Mahlzeiten überschritten haben,
- eine Verkürzung des Dünndarms (Kurzdarmsyndrom),
- Voroperationen am Darm oder der Gallenblase: sie können eine Besiedlung des Dünndarms mit Bakterien zur Folge haben, wo sie nicht hingehören (siehe Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms),
- eine Magenresektion oder auch nur eine Teilentfernung des Magens: sie kann zu einer Sturzentleerung in den Dünndarm führen mit der Folge einer für Verdauungszwecke zu raschen Passage (siehe Dumping Syndrom),
- eine Strahlentherapie im Bereich des Bauchraums, z. B. Bestrahlung eines gynäkologischen oder urologischen Tumors oder eines Enddarmkrebses.
Art des Durchfalls
Blutiger Stuhl
So etwas berichtet man in der Regel freiwillig und sofort, weil es alarmiert. Aber dem Arzt ist es wichtig, das genauer zu wissen. Sagen Sie ihm, ob das Blut aufgelagert ist, nachtropft oder nur am Toilettenpapier zu erkennen ist, oder ob es mit dem Stuhl vermischt ist, oder ob der Stuhl praktisch ganz aus Blut besteht. Wenn Blut vermischt ist, wird es nicht von ganz unten kommen. Ist es aufgelagert oder tropft es nach, muss die Ursache am Darmausgang gesucht werden.
Stuhlkonsistenz
Sagen Sie nicht einfach normal, sondern beschreiben Sie ihn zudem kurz: geformt, 1x pro Tag. Mancher Patient ist so sehr an breiigen Stuhl gewöhnt, dass er ihn als normal betrachtet und diesen nicht normalen Stuhl als normal deklariert. Beim Reizdarmsyndrom stimmt das mehr oder weniger auch, denn eine organische Krankheit lässt sich dabei meist nicht ausmachen. Aber es kann auch eine organische Krankheit dahinter stecken oder sich auf ein Reizdarmsyndrom aufpfropfen, und das muss der Arzt differenzieren können. Wässriger Stuhl dagegen hat meist eine krankhafte Grundlage. Unter Durchfall kann auch ein besonders weicher und häufiger Stuhl angesehen werden, der bei genauem Befragen bleistiftdünn und klein portioniert ist. Er kann ein erstes klinisches Zeichen einer „paradoxen Diarrhö“ im Rahmen eines Enddarmtumors (kolorektales Karzinom) sein. Also berichten Sie die unangenehme Angelegenheit so genau wie möglich.
Geruch
Unangenehm riechende Durchfälle sind ein Zeichen mangelhafter Eiweißverdauung, deren Ursache oft im Dünndarm oder bei der Bauchspeicheldrüse zu suchen ist. Siehe auch unter Durchfall.
Nahrungsabhängigkeit
Bleiben die Durchfälle bei Unterbrechung der Nahrungszufuhr aus? Die meisten Patienten werden dies nicht gleich beantworten können. Manche jedoch wissen dies sehr gut. Sie haben sich bereits darauf eingerichtet und essen vor einer geplanten Unternehmung, beispielsweise vor einem Einkaufsgang, nichts, um nicht in unlösbare Probleme zu geraten. Bei chronischen Durchfällen lohnt unter Umständen solch ein Test. Ihr Arzt schlussfolgert: wenn die Durchfälle unter Nahrungskarenz weg sind , dann sind die Durchfälle von der Nahrung abhängig und es besteht wahrscheinlich eine „sekretorische Diarrhö“.
Ursache kann eine beschleunigte Dünndarmpassagezeit sein, wie sie beispielsweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), einem Gastrinom oder einem Karzinoid auftreten kann. Oder es besteht eine Nahrungsmittelallergie. Hier bekommt Ihr Arzt also durch Sie auf Grund einer solchen Angabe einen wichtigen Hinweis darauf, in welche Richtungen weiter zu untersuchen wäre.
Abhängigkeit vom Stuhlgang
Treten Darmkrämpfe vor oder während des Stuhlgangs auf? Darmkrämpfe bei akutem Durchfall im Rahmen eines Darminfekts sind nichts Besonderes. Aber bei chronischer Diarrhö weisen sie darauf hin, dass unter Umständen eine Enge im Darmkanal vorliegt, durch die der Darm verzweifelt versucht, seinen Inhalt hindurchzupressen. Solche Stenosierungen können im Rahmen eines Morbus Crohn, eines Darmtumors oder von Strangulationen bei Verwachsungen oder bei einem Bruch (z. B. Nabelbruch, Leistenbruch, Narbenbruch) auftreten. Eine solche Symptomatik kann ein Alarmzeichen für einen drohenden Darmverschluss darstellen.
Assoziierte Symptomatik
Haben sie sonst irgendwelche auffälligen Zeichen an Ihnen entdeckt oder verspürt? Zu denken wäre dabei insbesondere an eine anfallsartig auftretende Rötung des Gesichts (Flush), die bei Karzinoid vorkommt, oder an Gelenkbeschwerden, die gehäuft bei einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit zu finden sind. Kribbeln, schmerzhaftes „Ameisenlaufen“ oder eine erhebliche Empfindungsstörung an den Füßen als Zeichen einer „peripheren Neuropathie“ bei Zuckerkranken (Diabetikern) können vielleicht als Hinweis verwertet werden, dass bei Ausschluss anderer Ursachen die chronischen Durchfälle auf eine Neuropathie auch der inneren Nerven des Darmkanals bei Diabetes (intestinale Neuropathie) zurückzuführen sind.
Untersuchungen
Je nach dem, was Sie Ihrem Arzt sagen können, wird er bestimmte Krankheiten favorisieren und andere für eher unwahrscheinlich halten. Danach richtet sich, was für Untersuchungen er zur Abklärung empfiehlt.
Länger bestehende Durchfälle erfordern vielleicht neben einer bakteriologischen Untersuchung (z. B. auf Clostridium difficile oder Yersinien) auch folgende Untersuchungen nach sich ziehen:
- Sonographie (zur Untersuchung von Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenwegen, Darmwanddicke und deren Lokalisation und Lymphknoten)
- eine Gastroskopie
- Koloskopie
- Computertomographie
- Enteroklysma
- MR-Sellink
- H2-Atemtest
Auch können Laboruntersuchungen weiterhelfen: so kann eine Eosinophilie kann auf eine Wurmerkrankung oder eine Nahrungsmittelallergie hindeuten, eine TSH-Erniedrigung auf eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder ein stark erhöhter Gastrinspiegel (Hormon, das die Salzsäureproduktion des Magens steigert) auf ein Zollinger-Ellison-Syndrom.
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