Bauchbeschwerden in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme

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Viele Bauchbeschwerden stehen in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Aufnahme von Nahrung. Eine gute Beschreibung lässt manche Rückschlüsse auf die Ursachen zu. Zu den Ursachen gehören Magengeschwüre, Blähungsbeschwerden, Verkrampfungen im Bereich des Darms oder der Gallenwege oder auch Engstellen im Darm.

Beantworten Sie sich folgende Fragen, um die vielen Ursachen etwas einzuschränken:

Inhaltsverzeichnis

Bauchbeschwerden bei Nüchternheit

  • „Kommen die Beschwerden, wenn Sie nüchtern sind?“ „Wachen Sie davon auf?“ „Werden sie besser, wenn Sie etwas essen?“ Bauchbeschwerden vor Mahlzeiten, Nüchternschmerz Oberbauchschmerzen im nüchternen Zustand, die durch Nahrungsaufnahme verschwinden, weisen auf ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) und eine starke Nüchternproduktion von Salzsäure im Magen hin. Manchmal empfinden solche Patienten auch vermehrtes Sodbrennen. Umgekehrt führen durchaus nicht alle Zwölffingerdarmgeschwüre zu Nüchternschmerz.
  • „In welchem Abstand von den Mahlzeiten kommen die Beschwerden?“ Als Antworten, die diagnostisch verwertet werden können, kommen in Frage „sofort“ oder „etwas verzögert“, das heißt etwa 20 – 30 Minuten nach dem Essen. Bauchschmerzen, die nach über 1-2 Stunden einsetzen, sind dann schon wieder wie Nüchternschmerz zu behandeln (siehe oben).

Bauchbeschwerden direkt nach Mahlzeit

Bei Bauchbeschwerden, die mit Nahrungsaufnahme assoziiert sind, müssen der Nüchternschmerz, der sich durch Nahrungsaufnahme bessert, und der Schmerz, der erst durch Nahrungsaufnahme ausgelöst wird, unterschieden werden. Bei letzteren, berichten Sie Ihrem Arzt gleich, welche Nahrungsmittel Sie verdächtigen, ob die Beschwerden auch lageabhängig sind, in welchem Abstand zum Essen sie auftreten, ob Sie früher im Bauchraum operiert wurden, ob eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse oder des Darms (z. B. ein Morbus Crohn oder eine Sprue) vorliegt und wie der Stuhlgang ist. Alles das wird helfen, die Differenzialdiagnosen einzuengen.

Wenn die Beschwerden direkt nach oder noch während des Essens auftreten, kann in erster Linie der Magen eine Rolle spielen. Dann wären die Beschwerden eher im rechten und mittleren Oberbauch. Auch die Bauchspeicheldrüse kommt in Frage mit in etwa der gleichen Lokalisation. Vielleicht können Sie schon selbst eine gewisse Vorauswahl treffen, indem Sie die Wahrscheinlichkeit einer Reizung oder Entzündung der Bauchspeicheldrüse durch Zusatzfragen abchecken (siehe unter Oberbauchbeschwerden: Was für die Bauchspeicheldrüse sprechen kann). Ansonsten kann Ihr Arzt die verschiedenen Diagnosen nur durch technische Untersuchungen differenzieren, so beispielsweise durch eine Bestimmung der Lipase im Blut, durch eine Ultraschalluntersuchung und gegebenenfalls durch eine Magenspiegelung.

Wenn jedoch nichts für Magen oder Bauchspeicheldrüse spricht, wird die Diagnostik schwierig und manchmal unergiebig. Es bleibt der Verdacht auf funktionelle Beschwerden und oft genug wird dann die Diagnose Dyspepsie gestellt. Auch kann in seltenen Fällen die Mündung des Gallengangs verkrampfen, was schwierig nachzuweisen ist (Sphinkter-Oddi-Dyskinesie). Zu solch einer Diagnose lässt sich kein Arzt leichtfertig hinreißen, zu der dazu nötigen weiteren nicht ganz ungefährlichen Diagnostik auch nicht.

Ab etwa 20 Minuten nach Mahlzeit

Wenn Bauchbeschwerden erst verzögert nach einer Mahlzeit einsetzen, etwa nach 20-40 Minuten, dann ist der Magen als Ursache eher unwahrscheinlich. Die Bauchspeicheldrüse kommt allerdings als Ursache noch in Frage. Auch der Dickdarm kommt in den Vordergrund. Denn nach 20-40 Minuten hat der Speisebrei den Dünndarm passiert und den Dickdarm erreicht. Die Bakterien des Dichdarms zersetzen nun die die ankommenden Nährstoffreste weiter und bilden dabei Darmgase: es entstehen Blähungen. Übermäßige Blähungen können erhebliche Beschwerden bereiten! Besonders wenn sie in abgeknickten Darmsegmenten festsitzen. Ob dies so bei Ihren Beschwerden berücksichtigt werden muss, ergeben die Antworten auf folgende Fragen:

Starke Blähungen?

  • „Haben Sie starke Blähungen?“ Nicht jede Darmgasansammlung wird als Blähung erkannt. Oft wird lediglich von Anschwellen des Oberbauchs und Schmerzen dort berichtet, ohne den Zusammenhang mit dort gefangenen Darmgasen zu gewärtigen. Denn vielen Menschen ist unklar, dass der Dickdarm quer durch der Oberbauch verläuft.
  • „Werden die Beschwerden besser, wenn Sie die Darmgase ablassen können?“ „Sind die Beschwerden besonders schlimm, wenn Sie sich nicht bewegen können, beispielsweise im Auto (geknickte Körperhaltung) oder im Schlaf (lange bewegungslose Ruhephase)?“

Schmerzen abhängig von Körperlage?

  • „Sind die Beschwerden abhängig von der Körperlage? Bessern sie sich bei Bewegung“ Trifft dies für Sie zu, dann liegt der Verdacht nahe, dass Blähungen Ihre Beschwerden erklären. Vielfach steckt eine übermäßige Schmerzempfindlichkeit des Dickdarms auf Dehnungsreize dahinter. Sie scheint eine Veranlagung zu sein, unter der viele Menschen leiden. Sie wird unter dem Begriff Reizdarmsyndrom subsumiert. Stellen Sie sich einen abgeknickten Fahrradschlauch vor, bei dem die Luft nicht so ohne weiteres von der einen auf die andere Seite gedrückt werden kann. Manchmal gelingt dies besser, wenn man sich bewegt, dann kommt der Darm in eine andere Lage, die das zulässt. In diesem Zusammenhang gewinnen die oben gestellten Fragen „Sind die Beschwerden abhängig von der Körperlage? Bessern sie sich bei Bewegung“ eine besondere Bedeutung. Typisch wäre, wenn Beschwerden bei abgeknickter Körperhaltung, beispielsweise bei langen Autofahrten oder im Flugzeug oder beim Schlaf, wenn man sich lange nicht bewegt, auftreten, und wenn sie sich bei körperlicher Bewegung bessern. Das deutet ziemlich sicher auf in einer Schlinge gefangene Darmgase hin. Wie oft sind solche Beschwerden nicht schon Anlass für aufwändige Untersuchungen gewesen! Und wie unzufrieden sind manche Patienten, wenn wieder nichts herauskommt! Der Schlüssel zur Besserung liegt dann häufig in einer Umstellung der Lebensführung hin zu mehr Bewegung und einer diätetischen Austestung, was Darmgase hervorruft. Aber dazu mehr im Kapitel über Blähungen.

Vorerkrankungen?

  • „Leiden Sie an einer Bauchspeicheldrüsen- oder Dünndarmkrankheit?“ Wenn eine Verdauungsstörung durch Erkrankung der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms (beispielsweise bei einer Sprue) vorliegt, kommt mangelhaft verdaute Nahrung in den Dickdarm, wo sie unter Gasbildung von den Dickdarmbakterien zersetzt wird.
  • „Sind Sie im Bauch voroperiert?“ „Hatten Sie eine Bauchfellentzündung?“

Diese Fragen zielen auf mögliche Verwachsungen im Bauchraum (Briden). Normalerweise ist der gesamte Darm gut beweglich, so dass Stockungen im Transport des Nahrungsbreis vermieden werden. Wenn allerdings irgendwo Verwachsungen vorhanden sind, wie sie nach Operationen im Bauchraum oder nach einer Bauchfellentzündung auftreten können, dann kann sich der Darm dort unter Umständen nicht so entfalten, wie er es muss. Es kommt zu krampfartigen Beschwerden, besonders wenn sich im Segment davor Darmgase bilden.

  • „Leiden Sie an einer chronischen Darmkrankheit?“ Wenn ein Morbus Crohn vorliegt, kann sich allmählich eine so hochgradige entzündliche Verengung herausbilden, dass der Speisebrei nur noch erschwert hindurchgepresst werden kann. Die krampfartige Anstrengung des Darms vor dieser Enge wird dann schmerzhaft gespürt. Crohn-Patienten, die das noch nicht erlebt haben, sollten daran denken, wenn sie Bauchbeschwerden in mehr oder weniger kurzem Zeitabstand nach dem Essen bekommen.

Vermehrte Blähungen?

  • „Haben sie vermehrte Blähungen?“ Blähungen können erhebliche Beschwerden verursachen. Die Blähungsbeschwerden treten typischerweise im Abstand von 15 - 45 Minuten nach Mahlzeiten auf.
  • „Seit wann haben Sie solche Beschwerden?“ Wenn die Beschwerden erst seit kurzem vorhanden sind, fragt es sich, was wohl der Auslöser gewesen sein könnte. In Frage kämen viele Möglichkeiten. Sie sollten alles ihrem Arzt mitteilen, was etwa zum Zeitpunkt des Beginns gewesen war, beispielsweise eine Reise, ein Magen-Darm-Infekt, eine medikamentöse Umstellung oder eine neue Diät. Wenn die Beschwerden in ähnlicher Form immer wieder kehren und sich weit zurückverfolgen lassen, über mindestens ein halbes Jahr hinaus, dann liegt möglicherweise ein Reizdarmsyndrom vor. Insbesondere dann, wenn in dieser Zeit keine sonstige Veränderung des Befindens und keine Gewichtsabnahme stattfand.

Stuhlgang?

  • „Wie ist der Stuhlgang? Geformt? Einmal pro Tag? Normale Farbe?“

Wenn das nicht der Fall ist, sondern ein durchfälliger bis breiiger Stuhl vorliegt, dann können Bauchschmerzen natürlich auf eine infektiöse Genese zurückgeführt werden. Eine Kultur aus einer Stuhlprobe klärt dies rasch. Die meisten Darminfektionen sind selbst limitierend und kurz. Aber einige Keime, wie Yersinien oder Clostridium difficile, können auch eine langwierige Symptomatik auslösen. Weitere Informationen zu „Darminfektionen“ und „Durchfall“ finden Sie dort.

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